Der Brief für ein Museum
Folgender Brief wurde vom Forum Justizgeschichte e.V. im März 2004 an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens versandt:
Nutzung des Gebäudes des ehemaligen Reichskriegsgerichts in Berlin
In Berlin-Charlottenburg liegt das Gebäude des ehemaligen Reichskriegsgerichts, das während der Teilung Berlins Sitz des Kammergerichts und des 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofes war.
Dem Naziregime diente das Haus als Reichskriegsgericht. Hier wurden mehr als 1.400 Todesurteile gegen Deserteure sowie überwiegend wegen „Wehrkraftzersetzung“, „Kriegsverrat“, Kriegsdienstverweigerung und den damals ähnlich weitgefassten und willkürlich anwendbaren Vorschriften über Hoch- und Landesverrat verhängt. Allein gegen die Widerstandsgruppe der „Roten Kapelle“ ergingen hier 49 Todesurteile.
Nachdem das Kammergericht an seinen früheren Standort in Berlin-Schöneberg und der 5. Strafsenat nach Leipzig umgezogen ist, steht das Gebäude ungenutzt leer. Es befindet sich zur Zeit im Eigentum des Bundes und sieht einer ungewissen Vermarktung entgegen.
Unter diesem Gesichtspunkt halten wir es schlicht für undenkbar, diese geschichtlich ebenso bedeutsame wie belastete Stätte zu vermarkten und einer Nutzung zuzuführen, die ihrer Be-deutung nicht gerecht wird.
Wir sehen hier vielmehr die Gelegenheit, neben einer Stätte des Gedenkens an die Menschen, die hier verurteilt wurden, einen Ort zu schaffen, der insgesamt als ein „Museum deutscher Rechtsgeschichte“ dienen könnte, und zwar nicht nur unter den Aspekten der Perversion von Gesetzgebung und Justiz in der Nazizeit, sondern auch und nicht zuletzt zur Darstellung und Diskussion von Recht als Kulturgut, als das es in anderen Epochen unserer Geschichte, zumal nach 1949 in Deutschland, angesehen wurde – sozusagen eine „Topografie des Rechtsstaats“.
Das Nähere entnehmen Sie bitte der Anlage zu diesem Brief.
Uns ist klar, dass gegenwärtig, in der Zeit der knappen Kassen, ein solcher Vorschlag wagemutig, wenn nicht utopisch erscheint. Gleichwohl, so meinen wir, sollte er erwogen und in geeigneter Weise diskutiert werden.
Wir richten dieses Schreiben an eine Reihe von Personen und Institutionen, von denen wir hoffen, dass sie ein solches Unternehmen nicht von vornherein „begraben“, sondern dieser Idee zunächst positiv begegnen.
Wir wären Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie uns Ihre Auffassung hierzu mitteilen, sowie, ob Sie gegebenenfalls an einer Zusammenkunft/Tagung über das weitere Vorgehen zur Realisierung dieses Projektes teilnehmen würden.
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