Forum Justizgeschichte e.V.

Vereinigung zur Erforschung und Darstellung der deutschen Rechts- und Justizgeschichte des 20. Jahrhunderts

Magdeburger Justiz in der Weimarer Republik

Der Richterbund des Landes Sachsen-Anhalt – Bezirksgruppe Magdeburg e.V., die Rechtsanwaltskammer des Landes Sachsen-Anhalt, der Magdeburger AnwaltVerein e.V. und das Forum Justizgeschichte e.V. laden ein zu der gemeinsamen Veranstaltung

Magdeburger Justiz in der Weimarer Republik


am Mittwoch, den 27. April 2005, 17.00 Uhr

in das Kulturzentrum Feuerwache, Halberstädter Straße 140 (an der Ambrosiuskirche), Magdeburg.

 

 

 

Der jähe Absturz des Rechtsstaats im Jahre 1933 kam nicht unvorbereitet. Schon in der Weimarer Republik zeigten sich Juristen anfällig gegenüber Rassenhass und Demokratiefeindlichkeit. Heute nahezu vergessen: Magdeburg war damals ein besonderer Schauplatz solcher Tendenzen, unter anderem mit mehren großen Prozessen: im Jahre 1924 der Prozess gegen den rechtsradikalen Journalisten Erwin Rothardt wegen Verunglimpfung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert als “Landesverräter” (in den Gründen des Urteils vom 23.12.1924 wurde Ebert des objektiven Landesverrats für überführt erklärt); sodann der spektakuläre Schwurgerichtsprozess im Raubmordfall Kölling-Haas im Jahre 1925/26. Begleitet von einer von der rechtskonservativen Presse angeheizten öffentlichen Vorverurteilung, konzentrierte der Magdeburger Landgerichtsrat Johannes Kölling als Untersuchungsrichter die Ermittlungen mit fanatischem Eifer allein auf den jüdischen und der Sozialdemokratie nahestehenden Fabrikanten Rudolf Haas. Massive Hinweise auf die Täterschaft des rechtsradikalen Handelsschülers Richard Schröder, bei dem man die Tatwaffe und anderes Belastungsmaterial gefunden hatte, ließ Kölling unterdrücken. Die Genehmigung zu einer Hausdurchsuchung bei Schröder verweigerte er. Nachdem der wirkliche Mörder Schröder ein Geständnis abgelegt und man in seinem Hauskeller die Leiche des Mordopfers gefunden hatte, hielten Kölling und der Landgerichtsdirektor Richard Hoffmann (Stellvertreter des Landgerichtspräsidenten) in einer Presseerklärung an der Täterschaft von Haas fest. Irgendeinen Wechsel oder auch nur eine Verstärkung der mit dem Fall befassten Kriminalbeamten lehnten sie ab und protestierten energisch gegen die Hinzuziehung des als besonders qualifiziert geltenden Kriminalkommissars Otto Busdorf, den der sozialdemokratische Provinzoberpräsident Otto Hörsing aus Berlin hatte kommen lassen. Selbst nachdem Schröder sein Geständnis detailliert wiederholt hatte, lehnte Kölling die von der Staatsanwaltschaft beantragte Aufhebung des Haftbefehls gegen Haas ab. Inzwischen hatte sich der Magdeburger Konflikt zu einer reichsweiten Kontroverse ausgeweitet, der zentralen Justizdebatte der Weimarer Republik. Unter dem Stichwort “Vertrauenskrise der Justiz" kam es zu einer dreitägigen Diskussion im Preußischen Landtag.

 

Nach 1933 nahmen der jüdische Fabrikant Rudolf Haas und seine Ehefrau sich angesichts massiver Verfolgung das Leben. Landgerichtsrat Kölling wurde unter dem NS-Regime erst zum Landgerichtsdirektor in Magdeburg, später zum Landgerichtspräsidenten in Aurich befördert, Landgerichtsdirektor Hoffmann zum Präsidenten des Landgerichts in Groß Berlin.

Im Rahmen der Veranstaltung wird nach einer kurzen Einleitung der Film “Affäre Blum” (DEFA 1948) gezeigt, der die Vorgänge des Prozesses gegen den jüdischen Fabrikanten Haas weitgehend authentisch wiedergibt. Nach einer Pause mit kleinem Imbiss wird Dr. Kramer (Richter am Oberlandesgericht a.D.) zur Magdeburger Justiz in der Weimarer Republik sprechen.

 

Der Unkostenbeitrag für diese Veranstaltung beträgt 5 €.


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