Forum Justizgeschichte e.V.

Vereinigung zur Erforschung und Darstellung der deutschen Rechts- und Justizgeschichte des 20. Jahrhunderts

Tagung: "Ghettorenten" und historische Forschung

Veranstaltung des Instituts für Zeitgeschichte, München vom 9. bis 10. April 2008


Im Jahr 2002 waren sich die Politiker im Bundestag fraktionsübergreifend einig, eine Gerechtigkeitslücke bei der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts zu schließen. Sie verabschiedeten das „Gesetz zur Zahlbarmachung von Beschäftigungszeiten in einem Ghetto (ZRBG)“, mit dem die Arbeit in einem Ghetto als Rentenanspruchszeit anerkannt werden sollte, wenn sie aus „eigenem Willensentschluss aufgenommen“ und „gegen Entgelt ausgeübt“ worden war. Doch von insgesamt rund 70.000 Anträgen wurden von den Rentenversicherern nur etwa fünf Prozent positiv beschieden. Deshalb sind gegenwärtig tausende von Gerichtsverfahren anhängig. Strittig sind dabei oft die konkreten Umstände, unter denen die Antragsteller im Ghetto gearbeitet haben.

So beschäftigen die „Ghettorenten“ inzwischen nicht nur die Gerichte, sondern auch die zeithistorische Forschung, die mit ihrer Expertise entscheidend zur Rechtsfindung beiträgt. In Anbetracht der Probleme bei der Umsetzung des ZRBG hat die Bundesregierung zum 1. Oktober 2007 eine Anerkennungsleistung für Ghetto-Arbeit beschlossen. Sie ermöglicht eine Einmalzahlung von 2.000 Euro an all diejenigen ehemaligen Ghettoinsassen, die bisher keine Rente erhalten haben. Damit hat Deutschland den vorerst letzten Schritt bei der Wiedergutmachung getan.

Das Institut für Zeitgeschichte will in seiner interdisziplinären Tagung die mit dem ZRBG verbundenen Probleme ausloten und die historische Forschung mit der administrativen und juristischen Praxis ins Gespräch bringen. Dabei rückt die neueste Forschung zur nationalsozialistischen Judenverfolgung in Osteuropa ebenso in den Fokus wie die aktuelle Entwicklung der Wiedergutmachungspolitik und die Rechtsprechung der Sozialgerichte. Aus der Perspektive der Überlebenden spricht mit Noach Flug der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees und Vorsitzende der Organisation der Holocaust-Überlebenden in Israel.

 

Die Einladung zum Download


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