Die Justizgeschichte hat sich in den letzten Jahren zu einem dynamischen Forschungsfeld entwickelt, wo institutionengeschichtliche Zugänge auf sozial-, kultur- und wissensgeschichtliche Perspektiven treffen. Neue Arbeiten fragen nach der institutionellen Kultur von Gerichten sowie Mentalitäten und Handlungsspielräumen von Richter:innen, insbesondere bei den Bundesgerichten im Hinblick auf NS-Kontinuitäten, aber auch allgemeiner nach den gesellschaftlichen Kontexten und Auswirkungen von Jurisprudenz.
Call for Papers, 28. Jahrestagung, 18. bis 20. September 2026,Aktuelle Perspektiven auf die deutsche Justizgeschichte des 20. Jahrhunderts
Aktuelle Perspektiven auf die deutsche Justizgeschichte des 20. Jahrhunderts
Die Justizgeschichte hat sich in den letzten Jahren zu einem dynamischen Forschungsfeld entwickelt, wo institutionengeschichtliche Zugänge auf sozial-, kultur- und wissensgeschichtliche Perspektiven treffen. Neue Arbeiten fragen nach der institutionellen Kultur von Gerichten sowie Mentalitäten und Handlungsspielräumen von Richter:innen, insbesondere bei den Bundesgerichten im Hinblick auf NS-Kontinuitäten, aber auch allgemeiner nach den gesellschaftlichen Kontexten und Auswirkungen von Jurisprudenz.
Was die DDR betrifft, ist neben der weiteren geschichtswissenschaftlichen Analyse der Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit in Strafprozessen auch jüngere rechtswissenschaftliche Forschung zum staatssozialistischen Straf- und Zivilrecht zu beobachten. Historisiert werden zunehmend auch große politische Strafprozesse oder die Rolle von „Linksanwält:innen“ in bundesrepublikanischen Gerichtsverfahren seit den 1970er-Jahren, gewissermaßen als Prozessen und Personen, in denen sich gesellschaftliche Konflikte verdichten.
Schließlich sollen neuere rechts- und geschichtswissenschaftliche Annäherungen an Biographien von Jurist:innen in den Blick genommen werden, etwa hinsichtlich der Analyse von Ego-Dokumenten, Urteilen, Aufsätzen und sonstigen Quellen. Was trägt biographische Forschung bei zum Verständnis komplexer rechtlicher Entwicklungen? Welche Rolle spielt die Einzelperson in Institutionen, Denkschulen und Netzwerken?
Die 28. Jahrestagung des Forum Justizgeschichte vom 18. bis 20. September 2026 in der Deutschen Richterakademie in Wustrau am Ruppiner See möchte Rechtspraktiker:innen mit Forschenden aus Rechtsgeschichte, Historiographie oder Sozialwissenschaften zusammenbringen. Ziel ist es, verschiedene methodische Ansätze und Themenfelder der Justizgeschichte miteinander ins Gespräch zu bringen, etwa die institutionelle Gerichtsforschung als Teil der allgemeinen (Auftrags-)Behördenforschung oder biographische Zugänge zu einflussreichen Persönlichkeiten, die nicht zuletzt Kontinuitäten und Brüche in juristischen Eliten sichtbar machen.
Mit der Reform von § 5a des Deutschen Richtergesetzes ist auch die Vermittlung der Juristischen Zeitgeschichte wieder stärker im Fokus von Hochschulen und Justizministerien. Entstanden sind neue didaktische Formate, etwa Lehrbuchkonzepte, digitale Lehrmethoden oder projektiorientierte Lehrforschungsformate (z. B. Ausstellungs- oder Wikipedia-Projekte).
Wir freuen uns über Einreichungen zur deutschen Justizgeschichte des 20. Jahrhunderts:
- zu politisch oder gesellschaftlich wichtigen Gerichtsprozessen oder zu Biographien aus der Richter- oder Anwaltschaft;
- zur Funktionsweise von Justizverwaltungen, ministeriellen Steuerungsmechanismen oder den Beziehungen zwischen politischer Sphäre und Justiz;
- zur Didaktik und Vermittlung der Zeitgeschichte des Rechts in der juristischen Ausbildung.
Gesucht werden Beiträge auch von Nachwuchswissenschaftler:innen, die sich mit diesem Themenfeld oder benachbarten Bereichen beschäftigen. Das Forum Justizgeschichte bietet den Referent:innen während der Tagung freie Unterkunft und Verpflegung sowie 200 Euro Aufwandsentschädigung und übernimmt die Fahrtkosten Bahn 2. Klasse innerhalb Deutschlands.
Eine Darstellung des vorgeschlagenen Beitrags von ca. 500 Wörtern und ein kurzer Lebenslauf sind erwünscht.
Einsendung bitte bis zum 15. Juni 2026 an: info@forum-justizgeschichte.de.
